Tipps

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 Gemütlich reisen wie in alten Zeiten – mit dem Bummelzug und der Straßenbahn aus Holz

Ich kann es mir nicht verkneifen, dieses permanete Lächeln während dieser kurzweiligen Reise durch die mallorqinischen Hügel mit der Holzeiesenbahn. Achja, so ist es schön, und so gemütlich, wie gut es doch ist, dieses so entschleunigte Leben.

Mit dem Bummelzug geht es also heute nach Sóller und Port de Sóller. Parken am Bahnhof in Palma, am Besten im Parkhaus. Noch schnell ein Churros mit Schokolade und los geht.

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Puh, die Tickets sind aber ganz schön teuer:28,-- pro Erwachsener inkl. Straßenbahn (würde 5,-- extra pro Fahrt kosten), Kinder 3 – 6 Jahre 6,60 Euro. Gerade Kinder begeistern sich riesig für diese Art zu reisen, aber für eine 5-köpfige Familie wie die meinige ist das ein teurer Spaß.

Es ist schon erstmal herrlich, den Zug zu betrachten. Er ist aus Holz mit bequemen Kunstlederbänken, an der Decke alte Messinglampen mit großen goldenen Flügelschrauben, die Holzfenster zum Hochschieben. An den Holzwänden hängen Drucke von Miró.

Ich suche mir den ersten Wagen aus für die beste Sicht, doch dann kuppelt man, klar, die Lokomotive davor.

Achten Sie bei der Fahrt darauf wo die Schattenseite ist, im Sommer könnte es ansonsten sehr heiß werden, auch wenn die Fenster alle offen sind.

Während der Fahrt kann man auch draußen stehen, das ist abenteuerlich und aufregend.

Die Fahrt geht los, die Ausfahrtsampel ist digital gesteuert, und es geht zunächst durch Palma. Nach der Stadt sieht man auch Palmas nicht ganz so attraktive Seite, kleine Industriegebiete und einiges an Müll. Doch schnell ist man auf dem Lande.

Pumpumpurumpumpum vorbei an einem großen Pferdestall, einem Umspannwerk und dann wird’s richtig schön: Palmen Zitronenhaine, Berge im Hintergrund, der erste Halt in Son Sardina.

Die deutschen schwäbischen Zugnachbarn kommentieren hinter mir: „Isch des schön, so wie ne Straßenbahn, nur eben alt.“ Die Mandelhaine fangen an …. „Oh jetzt wird die Landschaft noch schöner…“ nächster Kommentar. Von jetzt an werden sie sich überschlagen, das ahne ich schon. Und tatsächlich, die nächsten enthusiastischen Ausrufe lassen nicht auf sich warten.

Pumpumpurumpummpumm, ich werde schläfrig, einlullend ist die Fahrt auf den kuscheligen Bänken, vorbei am Pferdehof „hipico son reus“, durch weite Wiesen mit Blick auf die Berge.

Ach, wie war das Reisen doch früher gemütlich purumpumpum. Die Kinder winken vom Zug aus und Menschen freuen sich und winken zurück.

Keine Schranken am Bahnübergang, so etwas gäbe es in Deutschland niiiiie, nur lautes Gepfeife und Gehupe kündigen das Nahen des Zuges an. Olivenhaine, rote Erde, Palmen, pumpum der Zug wird schneller, kommt richtig in Fahrt. Jetzt bin ich wieder hellwach. Ob das mal gut geht, ich schicke mal lieber ein kleines Gebet gen Himmel.

Bunyola, 2. Halt. Ob da die Bunyoles herkommen, dieses leckere Schmalzgebäck, das ich in Llucmajor auf der Plaza zum 1. Mal probiert habe und das gleich süchtig machte? Ganz bestimmt!

Hinter Bunyola fangen die Tunnel an, sind sie länger gehen die Messingllampen an. Jetzt nimmt die Geschwindigkeit beängstigendere Ausmaße an. Ob ich das überlebe? Der Holzzug fährt gefühlte 120 km/h, ewig lang ist der Tunnel, wahrscheinlich kommen wir in Frankreich raus… Was einem da so alles durch den Kopf schießt…

Danach wird es gebirgiger, schroffe Felsenwände säumen den Wegesrand, doch sie sind sehr grün und mit Bäumen bewachsen.

Dann hält der Zug am Mirador des Pujol d’ en banya. Das ist ein besonders schöner Aussichtspunkt mit Blick in die Tramuntana, die nun ganz nahe ist. Aussteigen bitte und Fotos machen.

Schnell sind wir nun in Sóller und wir steigen in die nicht weniger abenteuerliche alte Holzstrassenbahn zum Port de Sóller, der Hafen“stadt“ am Meer um. Sie fährt doch weiß Gott mitten durch die Strassencafè’s von Sóller!

Da ist es endlich, das Meer, und nun fahren wir parallel dazu und wieder mitten durch die Cafe’s.

Endstation, aussteigen bitte.

Nun kann man bummeln gehen, durch den Hafen zuerst. Wir beobachten die Fische und schauen uns die Llauts genau an. Das wäre etwas, so ein Boot. Nein, es muss kein so dickes und schnelles sein wie die Jachten da drüben, so ein Llaut wäre genau das Richtige.

Es ist früher Abend, als wir die Straßenbahn zurück nach Sóller nehmen. Der letzte Bummelzug nach Palma de Mallorca fährt um 18.30, viel zu zeitig aber unabänderbar.

Eines muss ich unbedingt noch probieren, das vielgerühmte

Orangeneis. Es ist ein Sorbeteis mit dem schönsten Produkt aus Soller, den Orangen, sooo lecker. Und während ich da so vor der Eisbar sitze und diese Köstlichkeit genieße, duftet es nach Zitronen- und Orangenblüten. Man sitzt direkt am Straßenrand und die Füße sollte man zumindest einziehen wenn eine der Holzstraßenbahnen vorbei kommt.

Ja, bleibt mir nur „buen viajes“ zu wünschen. Ein traumhafter Tag steht auch ihnen bevor...

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