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 01sifoneria palma de mallorca

  ... ein Geheimtipp, der kein Geheimtipp bleiben sollte… sie ist einfach zu schön.

Ohhhh, ich musste mir zunächst verkneifen, ganz laut ohhh zu sagen, und mich dann daran erinnern, dass man mit offenem Mund nicht so toll aussieht. Ist das schön bunt hier und was es alles zu entdecken gibt, einfach fantastisch.

Da ich immer auf “Jagd” nach Kulinarischem und etwas ganz Besonderem bin, hüpfte hier mein Herz gleich höher. Ich wusste, hier würde ich pfündig werden.

Und tatsächlich, eine ganz besonders nette Geschichte wartete auf mich, und sie fing so an: Uta, deutsche aus Münster und seit 2000 hierher ausgewandert, und Carlos, Mallorquiner, saßen in einer kleinen Bar und beobachteten einen alten Mann am Nebentisch. Was ist denn das da? …fragte Uta. Der alte Mann bekam einen Palo in einem großen Glas serviert. Palo ist der typische 34%ige Kräuterschnaps der Insel, seit vielen Jahrzehnten nach einem geheimen Rezept gebraut wird. Man sagt, der Besitzer der Palo-Botega mischt den Sud aus Chinarinde, gelber Enzianwurzel und anderen Köstlichkeiten selbst an, er wird im Fass ausgebaut aber keiner weiss die genauen Zutaten. Hoffen wir, dass er sie nicht eines Tages mit ins Grab nimmt. Dass das Getränk aus den langen braune Früchten des Johannesbrotbaumes hergestellt wird, ist wohl eine leyenda urbana, eine Legende, die sich schon ziemlich lange hält.

Der Alte hatte also sein Glas vor sich, bekam dazu einen dickbauchigen Siphon aus Glas serviert und füllte das Glas mit Sprudelwasser auf. Das war der erste Kontakt von Uta mit einem Siphon und der Grundstein für das was hier nun Realität geworden war: Eine Botega, in der man Palo oder Pinya wie in alten Zeiten trinkt, oder den Wein, den man anschließend kauft erst in Ruhe probiert und aussuchen kann. Es gibt 7 offene Weine und mehrere Süßweine.

Auch einige Messweine, dürfen nicht fehlen die die Pfarrer von Palma und Umgebung persönlich hier verkosten und abholen. Denn auch da hat ja so jeder, auch die Pfarrer, warum auch nicht, so seinen eigenen Geschmack. Die Messweine haben die Besonderheit, dass sie nur ganz kurz gähren dürfen und der Alkohol wird erst später zugeführt, warum auch immer.

Die Einheimischen kommen mit eigenen Flaschen hier vorbei und können sich den Wein, ausschließlich mallorquinischer Wein natürlich, abfüllen lassen. Für ausländische Gäste wird er gern in Flaschen abgefüllt.

Das Ambiente ist mehr als schlicht und mehr als gemütlich. Die meisten Sitzgelegenheiten in dem engen “Schlauch” sind Getränkekisten mit einem Bastkissen darauf.

sillas sifoneria palma de mallorca

Überall stehen sie herum, die alten bunten Siphonflaschen, jede mit einem anderen “Plastikhütchen” versehen, mit einer anderen Aufschrift, sogar eine mit rotem “Strickkleidchen” ist dabei. Einige sind nur noch Museumsstücke, andere funktionieren noch und werden in einem Gaswerk aufgeladen

Die Nachfrage nach den dekorativen Glasflaschen wird immer grösser, viele Restaurants melden Interesse an, viele schließen sich begeistert dem Aufleben dieser alten Tradition, dank Carlos und Ute, wieder an. Ich fürchte die Beiden müssen sich bald etwas einfallen lassen, um die Nachfrage zu befriedigen. Aber so kreativ wie ich sie erlebe, fällt ihnen bestimmt etwas ein.

Es dudelt leise Musik oder abends gibt es einen alten Film aus den 70ern über der Tür zur Gallerie. Denn Uta hat Kunstgeschichte studiert und eigentlich war die Minigallerie 2,5 Jahre vor der Sifonidee da, die dann 2010 ins Leben gerufen wurde. Die Kunst, die dort ausgestellt wird, ist, wie die Sifoneria, ungewöhnlich und am meisten für offene und liebevolle Menschen geeignet, die das Ursprüngliche und Natürliche lieben und Einfachheit zu schätzen wissen. Und natürlich kommen hier die Weinliebhaber auf ihre Kosten, denn mallorqinischer lässt sich Wein aus Mallorca nicht probieren als hier.

Der Nachbar kommt rein und kauft seine Pinya, eine süffige und sehr süße mallorquinische Limonade, beinahe verlorengegangene Tradition neben Coca Cola und Fanta, die hier wieder einen würdigen Platz zum Aufleben gefunden hat.

Pinya mallorquina

 “So hat meine Kindheit geschmeckt”, meint Inma, die Mallorquinerin und Stadtführerin von Palma, die mit mir hier ist.

Ein elegantes mallorquinisches Pärchen kommt herein und trinkt aufgesprudelten Palo. Stöckelschuhe passen eigentlich nicht ins Ambiente, doch es ist einfach toll, hier ist alles okay und jeder gern gesehen…. ausser große Touristengrupen vielleicht, stimmts Carlos? Wäre doch schön, allen wirklich Interessierten dieses Ambiente zugänglich zu machen: Ein Stück Mallorca, so wie es nur noch selten zu sehen, zu erleben und zu schmecken ist. Das ist Kultur und gegen den Trend der schnelllebigen und oberflàchlichen Zeit und dafür, dass Natürlichkeit, Schlichtheit und Echtheit wieder Trend werden, das ist so wichtig. Lasst so viele Menschen wie möglich daran teil haben

 Ein grosses Kompliment an die Beiden!

sifoneria palma de mallorca